Igel im Frühling
Zahlreiche Igel verbringen die Wintermonate in menschlicher Obhut. Sie wurden als schwache, meist kranke
Jungigel im letzten Herbst gefunden, und hatten ohne menschliche Hilfe keine Chance, den Winter zu überleben.
Medizinisch versorgt und aufgefüttert hielten sie in menschlicher Obhut ihren Winterschlaf. Nun kommt die Zeit
des Abschieds: Der Igel ist aufgewacht und soll zurück in die Freiheit.
Selbstverständlich muss man das abgemagerte Tier vor der Freilassung wieder auffüttern. Zwei oder höchstens
drei Wochen bei guter fett- und proteinreicher Ernährung reichen aus, damit sich der Pflegling das verlorene
Gewicht wieder anfuttert. Wenn der als Jungtier aufgenommene Stachelritter etwa 650 -700g wiegt, ist er für das
eigenständige Überleben in der Natur gut gerüstet. Der Igel soll nach Möglichkeit da ausgesetzt werden,
wo er gefunden wurde, am besten in der frühen Abenddämmerung! In den allermeisten
Fällen ist der Fundort ein igeltauglicher Lebensraum. Igel haben ein ausgezeichnetes Ortsgedächtnis, sie finden
sich besser und schneller in bekanntem Gelände zurecht, als in einem neuen Gebiet. War der Fundort des Igels der
eigene Garten oder seine unmittelbare Umgebung, kann man den Igel allabendlich noch ein oder zwei Wochen mit
Katzenfutter zufüttern. Der oft praktizierte "Igel-Tourismus" ist abzulehnen. Wenn Igel willkürlich
"ins Grüne" gebracht werden, weiß man oft nicht, welche Lebensbedingungen das Tier dort erwarten. Der Eingriff des
Menschen in das Leben des Igels muss sich auf das absolute Mindestmaß beschränken! Nur in wenigen Sonderfällen ist
eine Umsiedlung des Tiers gerechtfertigt, z.B., wenn am Fundort unmittelbare Gefahr droht, etwa durch eine Baustelle
oder auf einer viel befahrenen Straße. Muss man tatsächlich einen neuen Lebensraum für den Igel suchen,
sollte das mit Hilfe von Fachleuten geschehen, die man z.B. bei Igelstationen, Naturschutzvereinen oder der Unteren
Naturschutzbehörde findet. Weitere Informationen finden Sie unter
Auswilderung.
Igel im Sommer
Ab Sommerbeginn Juni/Juli haben in wärmeren Gegenden Deutschlands bereits Igelweibchen Nachwuchs, die Hauptwurfzeit der Igel ist
in den Monaten August und September.
Meist sind die Nester unter Gebüschen, in Hecken oder unter Laub-/Asthaufen
angelegt. Aber auch unter Planen oder anderem Abdeckmaterial können sich Igelnester mit Säuglingen befinden.
Solche Standorte sollte man in diesen Wochen belassen, um dem Igel eine erfolgreiche Aufzucht seiner Jungen zu
ermöglichen. Sollten Sie unabsichtlich auf ein Igelnest mit Jungen stoßen, so bitten wir Sie, nichts zu verändern
und sich unverzüglich zu entfernen. Igelmütter vertragen Störungen am Nest sehr schlecht. Stress,
ausgelöst durch eine Störung, kann dazu führen, dass die Igelmutter ihren Nachwuchs verlässt oder gar tötet.
Im besten Falle zieht sie mit dem Nachwuchs in ein anderes Nest um. Auch dies ist für das Muttertier eine Strapaze.
"Notnester" haben zudem nicht die Qualität des ursprünglichen Nestes – weder in Bezug auf den Standort noch in der
Ausführung des Nestes. Eine erfolgreiche Aufzucht der Jungen wird dadurch erschwert. Verwaiste Igelsäuglinge
kriechen tagsüber aus dem Nest und melden sich durch vogelähnliches "Gezwitscher". Sollten Sie verwaiste Säuglinge
finden, erhalten Sie weitere Informationen unter Aufzucht verwaister Igelsäuglinge.
Igel im Herbst
Viele Menschen möchten ab Herbstbeginn dem stachligen Garenfreund über den Winter helfen und mancher Tierfreund glaubt gar,
jeden gesichteten Igel einsammeln zu müssen, damit er die kalte Jahreszeit überstehe. Zahlreiche
Igel werden ohne Notwendigkeit - und daher gesetzwidrig - der Natur entnommen.
Mit naturnah gestalteten, gut zugänglichen Gärten, die Nahrung und Wohnstatt bieten, unterstützt
man die Igel am besten. Unter Buschwerk und Hecken finden Igel Nistmaterial und Winterquartier.
Zusätzlich kann man den Tieren Unterschlüpfe herrichten, indem man etwa Reisighaufen oder
Igelhäuschen an geschützten Stellen platziert. Insbesondere durch die Einrichtung einer
Futterstelle kann man Igeln im Herbst helfen, das nötige Winterschlafgewicht zu erreichen.
Dann erübrigt es sich oft, Jungigel in menschliche Obhut zu nehmen, die Anfang November etwa
500 Gramm wiegen sollten, damit sie eine gute Chance haben, den ersten Winterschlaf zu überleben.
Aber auch Altigel – etwa Igelweibchen, die durch die Jungenaufzucht Gewicht verloren
haben – sind für ein Zubrot in der nahrungsarmen Jahreszeit vor dem Winterschlaf dankbar.
Tipps für die Igelhilfe im Garten bieten wir unter Igelfreundlicher Garten.
Kranken Igeln hilft das beste Futter nicht! Wenn ein kleiner Igel dauernd zur Futterstelle
kommt und einfach nicht dick und rund wird – dann sind Hilfe für den Igel und Vorstellung
bei einer Igelstation und/oder dem Tierarzt angesagt! Mehr dazu finden Sie unter
Igel gefunden - was nun?
Igel im Winter
Die nahrungsarme Zeit überbrücken die Igel, in dem sie Winterschlaf halten. Sie bauen sich
unter stützenden Strukturen wie Hecken oder Gebüsch, aber z.B. auch unter Holzstapeln
ein warmes Nest, in dem die Temperatur nie unter den Gefrierpunkt sinken sollte.
Für die nötige Heizung sorgt der Igel, in dem er das im Sommer und Herbst gespeicherte
Körperfett verbrennt. Gleichzeitig hält er damit seinen auf ein Minimum reduzierten
Stoffwechsel aufrecht. Die erwachsenen Igelmännchen legen sich schon
recht früh zum Schlafen, ab Ende Oktober ungefähr. Etwa einen Monat danach
folgen die Igelweibchen. Noch etwas später begeben sich dann auch die Jungigel
in den Winterschlaf. Sie suchen am längsten nach Nahrung, denn nur ein ausreichendes
Speckpolster sichert das Überleben. Allerdings gelingt es nicht allen
Jungigeln, sich ein gutes Winterschlafgewicht anzufuttern. So irren im Winter
bei Schnee und Frost immer wieder kleine abgemagerte Igel umher, die ohne sofortige
menschliche Hilfe zum Tod verurteilt sind. Aber auch hilfsbedürftige kranke,
erwachsene Stacheltiere trifft man – meist tagsüber - in der Winterszeit hin und wieder an.
Wenn Sie einen hilfsbedürftigen Igel finden, informieren Sie sich
Igel gefunden - was nun?
Auf keinen Fall sollte man schlafende Igel aufstören, in dem man z.B. den Holzstapel
über Ihrem Nest gänzlich abräumt oder im Herbst versäumte Gartenarbeiten nachholt.
Nicht nur, dass sich ein Igel im Winter kein neues Nest mehr bauen kann, schon
der Aufwachvorgang kostet viel Energie, denn Körpertemperatur, Kreislauf, Atmung und
Herzschlag müssen in relativ kurzer Zeit "hochgefahren" werden.
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