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Voraussetzungen zur Auswilderung
Gesunde Igel ohne bakterielle Infektionen und keinem oder nur geringgradigem
Befall mit Innenparasiten sind auswilderungsfähig. Sie sollten einen guten Appetit
haben und normalen Kot absetzen.
Zeitpunkt der Freilassung und Auswilderungsgewicht
Nach der Auffütterungsphase wird der in Menschenhand überwinterte Igel in die Freiheit
entlassen. Ein Jungigel sollte dann 600 bis 700 g, ein erwachsenes Tier - in Abhängigkeit von Alter
und Größe - etwa 1000 bis 1400 g wiegen. Handaufgezogene bzw. nestjung aufgenommene Igel
müssen grundsätzlich über ein Freigehege auf das Leben in der Natur vorbereitet werden.
Sie können fast immer noch in ihrem Geburtsjahr bis in den Herbst hinein ausgewildert werden.
Freilassungsort
Erwachsene Tiere und Jungigel mit einem Fundgewicht von mehr als 250 g sollten
grundsätzlich an den Fundort zurückgebracht werden. Igel haben ein ausgezeichnetes
Ortsgedächtnis! Sie kennen Durchschlüpfe durch Zäune, Umwege zur Überwindung
von Mauern und steilen Böschungen, besonders nahrungsreiche Plätze wie
Komposthaufen oder bestimmte Gartenbeete. Nicht am Fundort ausgewilderte
Tiere müssen sich neu orientieren und sind daher in der ersten Zeit
stärker gefährdet. Droht dem Igel am Fundort unmittelbare Gefahr
für Leib und Leben - etwa durch Baumaßnahmen oder eine auch nachts stark befahrene
Straße - so wird man das Tier nicht wieder dorthin bringen. Dann muß ein neuer Lebensraum
gesucht werden. Im Auswilderungsgelände sollen Deckung und Nahrung vorhanden sein; dazu
kommt etwa der mit Sträuchern untersetzte Rand eines jüngeren Laubwaldes mit
angrenzenden Wiesen und Weiden infrage. Von Vorteil ist ein Bach in der Nähe, ferner
Bauernhöfe mit alten Schuppen, Obstbäumen und wilden Gärten. Auch durchgrünte
Siedlungsrandbereiche mit durchlässigen Zäunen, naturnahen Gärten und
älterem Busch- und Baumbestand bieten sich an.
Wie wird der Igel ausgewildert?
Im eigenen Garten bereitet man dem Igel ein Quartier vor. Dies kann ein Karton
mit etwa 30 cm Kantenlänge oder auch ein entsprechendes Holzhäuschen sein. Es wird
mit reichlich Heu und/oder Stroh gefüllt und unter Büschen versteckt. Man setzt
den Igel bei trockenem Wetter in der Abenddämmerung hinein und stellt sein
gewohntes Futter und ein Wasserschüsselchen dicht vor den Eingang. Besser
noch ist der Bau oder Kauf eines regensicheren Futterhauses. Die Futterstelle
beschickt man bis zu zwei Wochen mit Nahrung.
Wird der Igel nicht im eigenen Garten ausgewildert, bringt man ihn abends an den vorher
ausgekundschafteten Ort. Suchfahrten mit dem Igel sind zu vermeiden! Der Transport sollte
möglichst stressfrei erfolgen. An einer vor geschützten Stelle unter einer Hecke oder
im Gebüsch bereitet man dem Igel ein Nest aus Heu, und legt noch etwas Futter aus.
Der Umwelt zuliebe lässt man in der freien Natur keine Kartons oder Futterteller zurück.
Auswildern über Freigehege
Jungtiere, die bei der Aufnahme unter 250 g wogen, bzw. erwachsene Tiere, die
nicht an den Fundort zurückgebracht werden können, sollten auf alle Fälle im
neuen Gebiet - darunter ist auch der eigene Garten zu verstehen - über ein
Freigehege ausgewildert werden. Nach etwa zwei Wochen entlässt man das Tier
aus dem Gehege, in dem man es einfach öffnet. Die im Gehege vorhandene
Futterstelle wird noch für ein oder zwei Wochen mit Nahrung und Wasser versehen.
Ebenso belässt man das Schlafhaus. Dieses Vorgehen bietet dem Tier die
Möglichkeit, sich langsam in die nähere Umgebung vorzutasten.
Für jeden Igel sollte man eine Gehegefläche von mindestens 4 qm veranschlagen -
ein Gehege kann aber nie groß genug sein! Als Zaunmaterial geeignet sind z.B.
Holzbretter, sehr feiner Maschendraht, halbrunde Palisadenhölzer. Der Zaun
muss mindestens 50 cm hoch sein und 10 bis 15 cm in den Boden eingegraben werden.
Einen Drahtzaun schließt man oben mit einem nach innen ragenden Brett ab, damit er
nicht überklettert werden kann.
Bewährt haben sich auch mobile Steckgehege, die man an
geschützer Stelle im Garten vorübergehend aufstellen kann. (Das Steckgehege von
IGSI e.V. auf dem Foto wurde nur zu Demonstrationszwecken auf freier Wiese aufgebaut.)
Auch im Freigehege ist Sauberkeit oberstes Gebot. Futterreste müssen
morgens unbedingt beseitigt und die Schüsseln heiß gespült werden.
Zufüttern nach der Auswilderung
Wenn möglich - ob im eigenen Garten oder an anderem Ort - ist es sinnvoll,
Igel nach der Freilassung noch etwa 1 - 2 Wochen abends zuzufüttern.
Wiederfunde freigelassener Igelpfleglinge
Untersuchungen in England und in Deutschland konnten nachweisen, dass sachgemäß
in Menschenhand überwinterte Igel, die gesund ausgewildert werden, sich problemlos
wieder in die Natur intergrieren und fortpflanzen. Die Igel wurden jeweils bei der
Freilassung markiert bzw. mit Sendern versehen und konnten so wiedergefunden werden.
Der Dresdener Igelforscher Manfred Schubert (Leiter der "Forschungsgruppe Igel Berlin")
fand von 76,5 % der von ihm 111 ausgewilderten Tieren wieder.

Natürlich spielt die Überwinterungsqualität der betreuten Igel, d.h.
artgerechte Unterbringung, Haltung und Fütterung eine nicht zu unterschätzende
Rolle für eine hohe Wiederfundrate. Auch die Verfahrensweise bei der Auswilderung
(z.B. über Freigehege bzw. am Fundort) trägt erheblich zur erfolgreichen
Wiedereingliederung der Igelpfleglinge in die Natur bei.
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